Als invasive Arten werden Tier-, Pflanzen- oder Pilzarten bezeichnet, die durch den Menschen bewusst oder unbewusst in Gebiete eingeführt wurden, in denen sie ursprünglich nicht heimisch sind. Ein Teil dieser gebietsfremden Arten kann sich in der neuen Umgebung stark ausbreiten und wird dann als invasiv bezeichnet.
Invasive Arten können erhebliche Auswirkungen auf heimische Ökosysteme haben. Sie konkurrieren mit einheimischen Arten um Lebensraum, Nahrung und andere Ressourcen und können so die biologische Vielfalt beeinträchtigen.
Neben den ökologischen Folgen können invasive Arten auch wirtschaftliche Schäden verursachen oder die Nutzung von Flächen erschweren. Ihre Bekämpfung und Eindämmung erfordert oft einen hohen personellen und finanziellen Aufwand.
Die frühzeitige Erkennung und konsequente Eindämmung invasiver Arten ist daher ein wichtiger Beitrag zum Schutz der biologischen Vielfalt und zum Erhalt funktionsfähiger Ökosysteme.
Neophyten
Staudenknöterich: Herausforderung für Natur und Kommune
Der Japanische Staudenknöterich (Fallopia japonica) und der Sachalin-Knöterich (Fallopia sachalinensis) zählen zu den problematischsten invasiven Pflanzenarten Mitteleuropas. Aufgrund ihrer enormen Ausbreitungsfähigkeit und der schwierigen Bekämpfung gelten sie als eine der größten Herausforderungen im Umgang mit invasiven Neophyten. Die Pflanzen bilden weitreichende Rhizomsysteme, die tief in den Boden reichen und große Nährstoffreserven speichern. Dadurch können sie selbst nach wiederholten Pflegemaßnahmen erneut austreiben. Gleichzeitig verdrängen sie heimische Pflanzenarten und beeinträchtigen natürliche Lebensräume, insbesondere entlang von Fließgewässern.
Warum die Bekämpfung so aufwendig ist
Die Bekämpfung invasiver Knötericharten stellt Kommunen vor erhebliche Herausforderungen. Aufgrund des tiefreichenden und regenerationsfähigen Rhizomsystems können Bestände meist nicht mit einer einmaligen Maßnahme beseitigt werden. Stattdessen sind über mehrere Jahre hinweg wiederholte Bekämpfungs- und Kontrollmaßnahmen erforderlich. Dies bindet dauerhaft personelle und finanzielle Ressourcen und verursacht hohe Kosten für die Gewässerunterhaltung und Landschaftspflege.
Die aktuelle Lage in Stockach
Um das Ausmaß des Befalls zu erfassen, ließ die Stadt Stockach im Jahr 2024 die wichtigsten Fließgewässer auf ihrer Gemarkung durch das Umweltzentrum Stockach e.V. kartieren. Untersucht wurden die Stockacher Aach, die Zizenhausener Aach, die Mahlspürer Aach sowie der Röhretsgraben. Auf einer Gewässerlänge von rund 30 Kilometern wurden insgesamt 14 Vorkommen des Staudenknöterichs mit einer Gesamtfläche von etwa 3500 Quadratmetern erfasst.
Chance durch frühzeitiges Handeln
Die Kartierung zeigt, dass der Befall mit Staudenknöterich auf der Gemarkung Stockach derzeit noch vergleichsweise gering ist. Dadurch besteht aktuell die Möglichkeit, durch gezielte Maßnahmen eine weitere Ausbreitung wirksam einzudämmen. Um langfristig hohe Bekämpfungskosten und ökologische Schäden zu vermeiden, ist jedoch ein zeitnahes Handeln erforderlich.
Strategien der Stadtverwaltung
Die Stadt Stockach setzt aktuell deshalb auf verschiedene Bekämpfungsmaßnahmen. An ausgewählten Standorten kommt die RootWave-Methode zum Einsatz. Dabei werden die Pflanzen mittels elektrischer Energie bis in das Rhizomsystem geschädigt, ohne dabei chemische Pflanzenschutzmittel einzusetzen. Ergänzend werden an geeigneten Flächen Beweidungsmaßnahmen eingesetzt. Durch den wiederholten Verbiss werden die Pflanzen geschwächt und ihre Ausbreitung langfristig eingedämmt. Die Kombination verschiedener Verfahren soll dazu beitragen, die Bestände nachhaltig zu reduzieren und eine weitere Ausbreitung entlang der Gewässer zu verhindern.
Wie Bürgerinnen und Bürger helfen können
Auch Bürgerinnen und Bürger können einen wichtigen Beitrag leisten. Staudenknöterich sollte nicht im Garten angepflanzt werden. Pflanzenreste und Gartenabfälle dürfen keinesfalls in der freien Landschaft oder in Gewässernähe entsorgt werden, da bereits kleinste Rhizom- oder Sprossstücke zur Bildung neuer Bestände führen können. Nur durch gemeinsames Handeln lässt sich die weitere Ausbreitung dieser invasiven Pflanzenart wirksam begrenzen.
Neozoen
Asiatische Hornisse
Die Asiatische Hornisse (Vespa velutina nigrithorax) stammt ursprünglich aus Südostasien und wurde im Jahr 2004 erstmals in Europa nachgewiesen. Der Erstnachweis erfolgte im Südwesten Frankreichs in der Region um Agen, vermutlich über den internationalen Warenverkehr eingeschleppt.
Von dort aus konnte sie sich zunächst lokal etablieren und sich anschließend durch die natürliche Ausbreitung weiter in andere Regionen Frankreichs und angrenzende Länder verbreiten. Die Ausbreitung erfolgt vor allem über die jährliche Bildung neuer Völker. Ein Nest produziert zahlreiche Jungköniginnen, die im Folgejahr neue Nester gründen.
In Deutschland wurde die Asiatische Hornisse erstmals im Jahr 2014 in Baden-Württemberg (Raum Karlsruhe) nachgewiesen. Seitdem breitet sie sich insbesondere in wärmebegünstigten Regionen weiter aus Inzwischen ist die Art in mehreren Bundesländern etabliert oder wurde dort regelmäßig nachgewiesen, darunter insbesondere in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Hessen. Auch im Raum Stockach wurde die Art bereits nachgewiesen.
Die Asiatische Hornisse nutzt ein breites Nahrungsspektrum an Insekten, wobei insbesondere fliegende Insekten eine wichtige Rolle spielen. Dazu zählen auch Honigbienen, die an Blüten oder am Bienenstock erbeutet werden. Dadurch kann es in der Imkerei zu einer erhöhten Belastung kommen, beispielsweise durch veränderte Flugaktivitäten der Völker und einem zusätzlichen Schutzaufwand an den Bienenständen.
Darüber hinaus werden mögliche Auswirkungen auf die Landwirtschaft diskutiert. Ein erhöhtes Vorkommen der Art kann insbesondere im Obst- und Weinbau sowie im Garten- und Sonderkulturbereich zu Beeinträchtigungen führen, etwa durch die Beeinflussung von Bestäuberinsekten oder durch direkte Interaktionen mit reifem Obst. Die tatsächlichen Auswirkungen sind jedoch weiterhin Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen.
Auch mögliche Folgen für heimische Insektenpopulationen werden fortlaufend wissenschaftlich bewertet.
Die weitere Ausbreitung wird in Deutschland durch Fachbehörden und Forschungseinrichtungen kontinuierlich beobachtet, um geeignete Maßnahmen zum Umgang mit der Art und zum Schutz der biologischen Vielfalt zu entwickeln.
Asiatische Hornisse in Stockach – Sichtungen bitte melden
Die Asiatische Hornisse wurde bereits mehrfach im Raum Stockach gesichtet. Vor diesem Hintergrund ist davon auszugehen, dass sie künftig auch im Stadtgebiet sowie in den Ortsteilen weiter auftreten wird.
Die aktuelle Fundortkarte der Asiatischen Hornisse ist unter folgendem Link abrufbar:
Ein frühzeitiges Erkennen und Melden von Sichtungen ist entscheidend, um die weitere Ausbreitung besser nachvollziehen und geeignete Maßnahmen einleiten zu können. Hinweise aus der Bevölkerung leisten hierzu einen wichtigen Beitrag.
Die Art baut ihre Nester bevorzugt an geschützten Standorten in Siedlungsnähe und später auch freihängend in Bäumen. Dabei können sowohl kleine, gut versteckte Nester in Gebäudenähe als auch größere, höher gelegene Nester auftreten. Von möglichen Nestern sollte grundsätzlich Abstand gehalten werden.
Die Stadt Stockach bittet daher alle Bürgerinnen und Bürger, bei Verdachtsfällen aufmerksam zu sein und Beobachtungen zu melden. Eine eigenständige Entfernung wird nicht empfohlen und sollte ausschließlich durch fachkundige Personen mit entsprechender Schutzausrüstung erfolgen.
Sichtungen von Tieren oder Nestern können über die Meldeplattform der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) oder über die App „Meine Umwelt“ gemeldet werden.
Weitere Informationen zur Art und zur sicheren Unterscheidung von heimischen Insekten sind über die Seiten der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) sowie der Landesanstalt für Bienenkunde der Universität Hohenheim verfügbar.
Die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) ist eine ursprünglich in Südostasien beheimatete Stechmückenart, die durch den internationalen Waren- und Reiseverkehr nach Europa eingeschleppt wurde. In Baden-Württemberg wurde sie erstmals in den frühen 2010er-Jahren nachgewiesen und hat sich seither in einzelnen, klimatisch begünstigten Regionen etabliert. Auch in Teilen des Landes kommt es inzwischen zu wiederholten Nachweisen und lokalen Populationen.
Die Tigermücke ist tagaktiv und zeichnet sich durch ihre schwarz-weiße Körper- und Beinzeichnung aus. Aus kommunaler Sicht ist sie vor allem deshalb relevant, weil sie sich in kleinsten Wasseransammlungen im Siedlungsbereich vermehrt – etwa in Blumentopfuntersetzern, Regentonnen, Eimern oder verstopften Regenrinnen. Schon wenige Millimeter Wasser reichen für die Eiablage aus.
Neben der starken Anpassungsfähigkeit ist auch ihre mögliche gesundheitliche Bedeutung relevant: Die Tigermücke kann unter bestimmten Bedingungen Krankheitserreger übertragen, die in Europa bislang jedoch nur vereinzelt auftreten. Das Risiko wird aktuell als gering eingestuft, die weitere Ausbreitung wird jedoch genau beobachtet.
Für die Bevölkerung ist insbesondere die **Vermeidung von Brutstätten** entscheidend. Dazu gehören:
stehendes Wasser im Garten regelmäßig entfernen oder abdecken
Regentonnen mit engmaschigen Netzen sichern
Blumentopfuntersetzer regelmäßig leeren
Wasseransammlungen in Behältern vermeiden
Die Stadt bittet Bürgerinnen und Bürger zudem, verdächtige Funde zu melden, damit die Ausbreitung frühzeitig erfasst und Maßnahmen ergriffen werden können.